Die Heilung eines Gelähmten – Markus-Evangelium 2,1-12

Bewegungslos

Auf meiner Matte liege ich – Tag ein Tag aus – bewegungslos.
Sie kommen, sie waschen mich, sie kleiden mich an, sie betten mich, sie tragen mich, sie bringen mich, sie lassen mich allein – ich bleibe – bewegungslos.

Die Menschen ziehen vorüber, meine Blicke ziehen hinter ihnen her – mitziehen – kann ich nicht.

Auf meiner Matte liege ich – Tag ein Tag aus – bewegungslos. Sie gehen arbeiten, sie gehen einkaufen, sie gehen zu Freunden, sie gehen feiern, sie gehen spazieren, sie gehen weiter, sie gehen – ich bleibe – bewegungslos.

Sie sagen, ich sei ein Pechvogel, ein Unglücksrabe, ein armes Schwein, ein Sündenbock. Sie sind ein Glückspilz, eine Perle, eine gute Partie.

Auf meiner Matte liege ich – Tag ein Tag aus – bewegungslos. Sie tanzen, sie lachen, sie laufen, sie spielen, sie springen, sie freuen sich, sie gestalten ihr Leben – ich bleibe – bewegungslos.

Die dunklen Gedanken kommen. Was wäre, wenn …
Wenn ich gehen könnte, wären ihre Blicke, andere Blicke?
Wenn ich tanzen könnte, wären ihre Gesten, andere Gesten?
Wenn ich laufen könnte, wären ihre Worte, andere Worte?
Wenn ich gehen könnte, wären meine Gedanken, andere Gedanken?

Ich liege auf meiner Matte – wie immer – bewegungslos.
Sie kommen, sie erzählen mir von Jesus, sie fragen mich, sie tragen mich, sie bahnen mir einen Weg durch die Menschenmassen. Die Menschen stehen – ich ziehe vorüber – ihre Blicke hinter mir her. Ich nehme meine Matte, gehe nach Hause – sie bleiben – bewegungslos.

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