Roter Abendhimmel

Der Sturm auf dem See – Markus-Evangelium 4,35-41

Dir singe ich ein Halleluja

Die Ufer flimmern im gleißenden Licht der Sonne. Träge und schwer liege ich über dem See, ich rühre mich kaum. Die Zeit scheint still zu stehen. Leise summe ich mein Lied und die Wasser schweigen, sie lauschen gespannt meinem sanften Klingen. Die Boote dümpeln vor sich hin. Reglos liegen die Menschen an Deck, im Schatten ihrer Sonnensegel. Sie nennen mich eine Flaute — doch singe ich Dir ein Halleluja!

Sanft erhebe ich meine Stimme. Die Wasser hüpfen, sie gurgeln und glucksen. In Böen rausche ich über sie hinweg. Die Wolken brauen sich zusammen und ich schwinge mich zu ihnen hinauf. Höher und höher steige ich, dann schmettere ich mein Lied hinaus. Der Himmel erbebt, Blitze krachen nieder, es donnert und grollt. Tosend türmen sich die Wasser, sie klatschen und jubeln. Gemeinsam singen und tanzen wir — die ganze Nacht hindurch. Die Wellen trommeln gegen den Bug, den Matrosen peitscht die Gischt ins Gesicht. Die Boote bäumen sich auf und ich zerre an ihren Segeln. Sie nennen mich einen Orkan — doch singe ich Dir ein Halleluja!

Die Ufer erstrahlen im Glanz der aufgehenden Sonne. Fröhlich und beschwingt brause ich über die See. Ich zwitscher mein Lied, die Wasser wiegen sich im Takt. Sanft umspielen sie die Felsen, sie prusten und quatschen. Fast zärtlich rauschen die Wogen über den Strand. Die Boote gleiten über die Wasser, ich pfeife in ihren Segeln und die Menschen erfüllen ihr Tagwerk. Sie nennen mich eine Brise — doch singe ich Dir ein Halleluja!

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