fünf plus 2 Finger

Speisung der 4000 – Markus-Evangelium 8,1-10

Der Stern von Bethlehem

Entscheidung
Ich wusste nicht, wie ich mich entscheiden sollte! Die eine Hälfte schrie: »Tu es bloß nicht!« Die andere sagte: »Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!« Und jetzt? Was sollte ich tun? Jesus von Nazaret stand vor mir. Er sah mir in die Augen. Seine Hände hielt er mir geöffnet entgegen. Sollte ich ihm mein Brot geben? Ich hatte nur diese fünf Brote. Mehr hatte ich nicht. Selbst diese Brote, würden kaum reichen, um wieder nach Hause zu kommen. Mutter hatte mich gewarnt: »Gib niemandem von deinem Brot! Sonst wirst du den Heimweg nicht schaffen. Du wirst verhungern!« Wenn nur Jesus von Nazaret da gewesen wäre, hatte ich ihm abgeben können, von dem wenigen, was mir noch blieb. Aber es waren tausende von Menschen um uns herum und alle schauten hungrig auf mein Brot. Einige riefen: »Nun gib doch endlich dein Brot her!« Andere sagten: »Tu es bloß nicht! Du wirst verhungern.« In mir drehte sich alles. Wenn ich nur wüsste, ob dieser Jesus, der Stern von Bethlehem ist, der Stern von Bethlehem, den ich suche? Wenn ich jetzt fortgehe, werde ich es nie erfahren. Wenn ich bleibe, werde ich mein Brot geben müssen. Großmutter – ich erinnerte mich an Großmutter. Großmutter sagte: »Wenn du den Stern von Bethlehem gefunden hast, tue, was er dir sagt!«

Großmutter erzählt
Großmutter erzählte mir jeden Abend die Geschichte vom Stern von Bethlehem. Keine andere wollte ich hören, nur diese. Und diese Geschichte, die geht so:
Es war die Zeit, als Augustus Kaiser des Römischen Reiches und Quirinius Statthalter von Syrien war. Kaiser Augustus erließ den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. Auch wir brachen mit unseren Schafen und Ziegen auf, um dem Befehl des Kaisers zu gehorchen.
An diesem Abend erschien ein neuer Stern am Himmel. Mit seinem hellen Licht wanderte er direkt vor uns her, bis nach Bethlehem. In Bethlehem herrschte ein reges Kommen und Gehen. So viele Menschen hatte diese Stadt wohl noch nie zuvor gesehen. Weit außerhalb der Stadt fanden wir ein freies Feld, das genügend Platz für uns und unsere Tiere bot.
In dieser Nacht erfüllte ein Glanz unser Lager mit Licht und sprach: »Ich bin der Engel des Herrn. Fürchtet euch nicht! Ich verkündige euch eine große Freude. Heute ist in Bethlehem der Retter geboren! Er ist der Messias, der Christus. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.« Obwohl es tief schwarze Nacht war, brachen wir sofort auf und suchten das Kind. In einem Stall fanden wir Maria und Josef und das Kind, das in einer Krippe lag. Von diesem Kind ging ein besonderer Glanz aus. Wir riefen: »Das ist der Retter, der Messias, der Christus.« Maria und Josef staunten über unsere Worte. Noch mehr staunten sie aber, als drei Sterndeuter mit Geschenken in den Stall eintraten. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Die Sterndeuter sagten: »Dieses Kind ist der Stern von Bethlehem. Er ist es, dessen leuchten wir am Himmel vor uns her ziehen sahen.«
In diesen Tagen gingen wir noch oft zu dem Stall. Wir konnten uns an dem Kind kaum sattsehen, so leuchtete es. Dann waren das Kind und seine Eltern verschwunden. Niemand hatte von ihnen gehört oder sie gesehen. Auch der Stern am Himmel über Bethlehem ward nicht mehr gefunden. Wir wanderten mit unseren Schafen und Ziegen zum nächsten Weideplatz. Der Glanz des Kindes aber, wandert seitdem in unserem Herzen mit uns. Großmutter beendete ihre Geschichte immer so: »Und du mein Kind, bist in dem gleichen Stall geboren, wie der Stern von Bethlehem.«

Aufbruch
Eines Tages beschloss ich aufzubrechen, um den Stern von Bethlehem zu suchen. So zog ich in die Heilige Stadt. Denn wo sonst, als in Jerusalem, sollte ich ihn finden. Ich ging in den Tempel. Schnell hatte ich mich in diesen riesigen Hallen verirrt. Die Leute rannten hin und her und redeten ununterbrochen. Ich wusste nicht, wen ich ansprechen sollte.
Dann sah ich in einer Ecke einen Mann auf dem Boden sitzen. Er sah wie ein Bettler aus. Aber er bettelte nicht. Er beobachtete die Menschen, die an ihm vorbei huschten. Ihn fragte ich: »Ich suche den Stern von Bethlehem, den Retter, den Messias, den Christus. Weißt du, wo ich ihn finden kann?«
»Einen Stern von Bethlehem kenne ich nicht! Aber den Retter, den kenne ich. Jesus von Nazaret, er ist der Retter.«
»Woher weißt du, dass Jesus von Nazaret der Retter ist?«

Der Gelähmte
»Bewegungslos lag ich auf meiner Matte – Tag ein Tag aus. Sie kamen, sie wuschen mich, sie kleideten mich an, sie trugen mich, sie betteten mich am Stadttor, sie ließen mich allein. Die Menschen zogen vorüber, meine Blicke zogen hinter ihnen her – mitziehen – konnte ich nicht. Sie sagten, ich sei ein Pechvogel, ein Unglücksrabe, ein armes Schwein. Ich dachte: Sie sind ein Glückspilz, eine Perle, eine gute Partie. Sie tanzten, sie lachten, sie sprangen, sie hüpften, sie gestalten ihr Leben – ich blieb – bewegungslos. Bewegungslos lag ich auf meiner Matte – wie immer. Sie kamen, sie erzählten mir von Jesus, sie fragten mich, sie trugen mich, sie bahnten mir einen Weg durch die Menschenmassen. Die Menschen standen – ich zog vorüber – ihre Blicke hinter mir her. Sie stiegen mit mir hinauf, sie rissen ins Dach ein Loch, sie ließen mich hinab – ich lag vor Jesus – bewegungslos. Jesus von Nazaret schaute mich an und sagte: ›Deine Sünden sind dir vergeben. Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Haus.‹ Ich nahm meine Matte und ging nach Hause. Sie aber blieben – bewegungslos.
Jetzt weißt du, warum Jesus von Nazaret der Retter ist.«
»Kannst du mir sagen, wo ich Jesus von Nazaret finde?«
»Geh nach Jericho. Frage dort, wo du ihn findest.«

Bartimäus
Also zog ich weiter nach Osten. Am Stadttor von Jericho saß ein Mann. Ihn fragte ich: »Ich suche den Stern von Bethlehem, den Retter, den Messias, den Christus. Weißt du, wo ich ihn finden kann?«
»Einen Stern von Bethlehem kenne ich nicht! Aber den Messias, den kenne ich. Jesus von Nazaret, das ist der Messias.«
»Woher weißt du, dass Jesus von Nazaret der Messias ist?«
»Hört, hört, wer kommt denn da. Gebt ein Almosen. Hört, hört, helft einem Blinden. Gebt ein Almosen. Hört, hört, wer kommt denn da.
›Es ist Jesus von Nazaret!‹
Jesus von Nazaret? Der Jesus von Nazaret!
›Ja, er ist es wirklich!‹
Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
›Psst! Sei still!‹
Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
›Nun schweig doch endlich! Wenn du so schreist, hören wir nichts!‹
Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
›Er ruft dich! Hör! Hab nur Mut! Steh auf! Er ruft dich!‹
Da warf ich meinen Mantel weg, sprang auf und tappte auf Jesus zu.
Jesus fragte: ›Was willst du, dass ich dir tue?‹
Rabbuni, dass ich sehen kann!
›Geh, dein Glaube hat dich gerettet!‹
Und augenblicklich konnte ich sehen.
Jetzt weißt du, warum Jesus von Nazaret der Messias ist.«
»Kannst du mir sagen, wo ich Jesus von Nazaret finde?«
»Geh zum See von Genezareth. Frage dort, wo du ihn findest.«

Legion
Also zog ich am Jordan entlang nach Norden, bis zum See von Genezareth. Dort sah ich einen Mann, der Steine auf einen Karren lud, die groß wie Schafe waren. Ihn fragte ich: »Ich suche den Stern von Bethlehem, den Retter, den Messias, den Christus. Weißt du, wo ich ihn finden kann?«
»Einen Stern von Bethlehem kenne ich nicht! Aber den Christus, den kenne ich. Jesus von Nazaret, er ist der Christus.«
»Woher weißt du, dass Jesus von Nazaret der Christus ist?«
»Zerbrochen, hi, hi, hi, gestern zerbrochen, bis ins kleinste Atom hinein, ho, ho, ho. Suchte die Bruchstücke, ha, ha, ha, suchte und kroch, kroch selbst ins kleinste Loch. Ho, ho, ho. Suchte mich, doch fand nur Seinen Namen und jetzt — jetzt bin ich – ich.«
»Wessen Namen hast du gefunden?«
»Jesus von Nazaret! Er ist der Christus! Er hat mich gerettet. Ich lebte dort oben in den Grabeshöhlen. Eine ganze Legion Dämonen hatte von mir Besitz ergriffen. Jesus trieb sie in eine Herde Schweine. Er hat mich befreit. Jetzt weißt du, warum Jesus von Nazaret der Christus ist.«
»Kannst du mir sagen, wo ich Jesus von Nazaret finde?«
»Geh nach Tabgha. Auf dem Berg wirst du ihn finden.«

Brot
Also zog ich am See von Genezareth entlang, weiter nach Norden. Von weitem sah ich unzählige Menschen. Alle wanderten auf einen Berg. Das musste Tabgha sein. Ich folgte ihnen. Oben angekommen, wusste ich sofort, wer Jesus von Nazaret war. Ich schlich mich ganz nah an ihn heran. Jesus fragte: »Philippus, wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?« »Brot für 200 Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.« Ich schaute mich um. So viele Menschen hatte ich noch nie auf einmal gesehen. Selbst in Jerusalem nicht. Es müssen Tausende gewesen sein. Plötzlich hörte ich neben mir eine Stimme: »Hier ist ein Kind, das hat zwei Fische und fünf Gerstenbrote; doch was ist das für so viele.« Alle schauten auf mich. Ich erschrak sehr. Was hatte das zu bedeuten? Die Stimme sagte: Gib Jesus deine Fische und dein Brot! Ich gab ihm meine Fische. Mein Brot gab ich nicht. Jesus von Nazaret stand vor mir. Er sah mir in die Augen. Seine Hände hielt er mir geöffnet entgegen. Sollte ich ihm mein Brot geben? Ich hatte nur diese fünf Brote. Mehr hatte ich nicht. Selbst diese Brote, würden kaum reichen, um wieder nach Hause zu kommen. Mutter hatte mich gewarnt: »Gib niemandem von deinem Brot! Sonst wirst du den Heimweg nicht schaffen. Du wirst verhungern!« Wenn nur Jesus von Nazaret da gewesen wäre, hatte ich ihm abgeben können, von dem wenigen, was mir noch blieb. Aber es waren tausende von Menschen um uns herum und alle schauten hungrig auf mein Brot. Einige riefen: »Nun gib doch endlich dein Brot her!« Andere sagten: »Tu es bloß nicht! Du wirst verhungern.« In mir drehte sich alles. Wenn ich nur wüsste, ob dieser Jesus, der Stern von Bethlehem ist, der Stern von Bethlehem, den ich suche? Wenn ich jetzt fortgehe, werde ich es nie erfahren. Wenn ich bleibe, werde ich mein Brot geben müssen. Ich erinnerte mich an Großmutter. Großmutter sagte: »Wenn du den Stern von Bethlehem gefunden hast, tue, was er dir sagt!« Nur wie konnte ich wissen, ob Jesus von Nazaret der Stern von Bethlehem ist?
Er schaute mich an – ich schaute ihn an, dann wusste ich es! Ich gab ihm mein Brot. Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern. Die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren tausende von Menschen, die an dem Mahl teilnahmen und alle wurden satt. »So etwas haben wir noch nie gesehen.« »Er ist ein Prophet.« »Er ist der Prophet, der in die Welt kommen soll.« »Er ist der Messias, der Retter.« »Er soll unser König sein.« »Machen wir ihn zu unserem König und wir werden nie wieder Hunger leiden!« »Wo ist Jesus – unser König!« Sie suchten nach Jesus, – doch sie fanden ihn nicht! Jesus und seine Jünger waren verschwunden. Niemand wusste, wo sie waren.

Ich hatte gefunden, was ich suchte. Also nahm ich mir reichlich von dem Brot und zog heim. Der Stern von Bethlehem zieht seitdem in meinem Herzen mit mir. Nun erzähle ich jeden Abend diese Geschichte und ich beende sie immer so: Ich gab Jesus mein Brot und es reichte für alle!

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