Die Auferweckung eines Mädchens und die Heilung einer Frau – Markus-Evangelium 5,21-43

berührt

Blut!
Tag ein, Tag aus,
zwölf Jahre lang
Blut!

Niemand kann mir helfen —
kein Arzt, den ich nicht kenne,
keine weise Frau, die ich nicht gefragt,
kein Wunderheiler, den ich nicht besucht —
niemand kann mir helfen!

Blut!
Tag ein, Tag aus,
zwölf Jahre lang
Blut!

Nichts kann es stoppen —
nicht der gräuslichste Trank, den ich trank,
nicht die bittersten Kräuter, die ich aß,
nicht die heißesten Dämpfe, die ich atmete —
nichts kann es stoppen.

Unberührt!
Tag ein, Tag aus,
zwölf Jahre lang
unberührt!

Niemand weiß, wie ich mich fühl —
kein Schlauer berührt mich,
keine Mitleidige hört mir zu,
kein Angeekelter lässt mich lachen,
niemand weiß wie ich mich fühl.

Blut — immer weiter — unberührt!

Und jetzt?
Soll ich es wagen?
Was werden sie wohl sagen?

Und jetzt — jetzt berührt!

Die Auferweckung eines Mädchens und die Heilung einer Frau – Markus-Evangelium 5,21-43

Warum?

Warum muss dieses Mädchen sterben,
Jesus?
Ich bin entsetzt: Sie ist doch noch so jung.
Ich bin entsetzt: Alles Mühen umsonst.
Ich bin entsetzt: Die armen Eltern.
Entsetzt bin ich auch über Dich: Du kommst nicht rechtzeitig. Du bist zu spät!

Warum schreist Du und weinst Du,
meine Freundin, mein Freund?

Warum darf ich nicht schreien und weinen?
Ich bin entsetzt: Der Tod tritt mitten ins Leben, auch bei mir.
Ich bin entsetzt: So nah ist der Tod!
Ich bin entsetzt, so betroffen zu sein.
Irgendwie muss er doch raus, der Schmerz, die Trauer, der Frust!

Warum schreist Du und weinst Du?
Ich bin doch da!

Wenn ich schreie und weine,
dann kann ich etwas tun,
dann bin ich nicht hilflos, wie bei der Krankheit.
Wenn ich schreie und weine,
dann wird alles klarer,
mein Frust, meine Beklemmung, meine Angst lösen sich.
Wenn wir zusammen stehen in Jammer und Not,
dann vertreiben wir, was an uns nagt:
die Wunde des Todes, den Schmerz.
Wir vertreiben die Stimme, die zu uns sagt:
Alles ist sinnlos, alles vergeblich, DU BIST EIN NICHTS.

Warum schreist Du und weinst Du?
Ich bin doch schon da,
ich heile und sage:
Hab keine Angst,
glaube nur!
Zieh doch die Hoffnung nicht runter,
mit deinem Geschrei,
mit deinem Reden,
in deinen Gedanken!
Mach doch den Tod und das Ende nicht endgültig mit deinem Urteil:
Jetzt ist alles vorbei!

Gott spricht:
Steh auf!
Geh neu in ein neues Leben hinein,
MIT MIR!

WARUM?

Weil ich ein Gott der Lebenden bin,
ein Gott für das Leben,
ein Gott auf dem Weg,
der Auferstehung,
der Verwandlung,
ein Gott der Zukunft!

Warum schreist Du und weinst Du?
Vertraust Du mir nicht?

Die Auferweckung eines Mädchens und die Heilung einer Frau – Markus-Evangelium 5,21-43

Kannst Du Dein Problem benennen?
Kannst Du ihm einen Namen geben?

Wenn Dich jemand auffordert,
es auf den Punkt zu bringen,
dann ist bereits viel getan.

Du beginnst es in Worte zu fassen, es auszusprechen.
Du überwindest es, Dich treiben zu lassen,
Dich vor Dir selbst und vor Gott zu verstecken.
Du stellst Dich der Angst,
Du wirst klarer.

Das Problem ist noch da.
Du musst noch kämpfen.
Du brauchst noch Hilfe.
Aber ein Anfang ist gemacht!
Die Türen sind auf — Neues kann werden.

Jesus fragt: Wer hat mein Gewand berührt? & Warum schreit und weint ihr?

Die Frau denkt: Wenn ich nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Und sie tut es. Jesus fragt: Wer hat mein Gewand berührt? Da kommt die Frau und erzählt ihm die ganze Wahrheit.
Der Mann sagt zu Jesus: Meine kleine Tochter ist dem Tode nahe, komm und rette sie. Als sie zu seinem Haus kommen, hören sie die Leute schreien und weinen, weil das Mädchen bereits gestorben ist. Jesus fragt: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht tot, es schläft nur! Da lachen sie ihn aus. Er nimmt die Hand des Kindes und sagt: Ich sage dir, steh auf! Und das Mädchen steht auf.

Die Auferweckung eines Mädchens und die Heilung einer Frau – Markus-Evangelium 5,21-43

Jesus fragt auch Dich: Wer hat mein Gewand berührt? & Warum schreist und weinst du?

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Heilung eines Besessenen – Markus-Evangelium 5,1-20

Endstation

Nebelschwaden kriechen vom See zu uns herüber. Mein Blick wandert die Landschaft am Seeufer entlang und sucht nach einem geeigneten Lagerplatz für die Nacht. Die Schweine grasen friedlich am Hang in weiter Ferne. In zwei Stunden geht die Sonne unter, bis dann muss das Lager aufgeschlagen und die Umfriedung für die Herde fertig sein. Hoffentlich lässt der Nebel sich noch etwas Zeit, sonst werden wir nicht rechtzeitig fertig. Vor den Felsen ist eine kleine Senke mit einer leichten Böschung, die einen natürlichen Wall bildet. Der ideale Lagerplatz!

Wir machen uns auf den Weg. Aus den Bergen dringen seltsame Töne zu uns herunter. Wir bleiben stehen. »Wölfe?« — »Nein! Komm weiter, beeile Dich!« Als wir den Lagerplatz erreichen, ziehen schon die ersten Nebelschwaden heran. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen. Wieder diese Töne. Ich bekomme eine Gänsehaut. Es sind garantiert Wölfe. »Lass uns die Schweine holen.« — »Das Lager ist noch nicht fertig.« — »Der Nebel zieht schneller auf als gedacht. Lass uns die Schweine holen! Die werden nervös von diesem Gejohle.«

Die Schweine sind sicher — wir sind hungrig und erschöpft. Wir beginnen mit den Arbeiten am Lager. Ein gellender Schrei dringt vom Felsen direkt über uns herunter. Ich starre angestrengt in die Nacht hinaus. Steine schlagen den Hang hinab. Jaulen, Krähen und Kichern folgen. Die Schweine laufen unruhig in ihrer Umfriedung hin und her. Hoffentlich bricht das Gatter nicht. Einige Schweine rennen gegen das Gatter, andere versuchen die Böschung hinauf zu fliehen. Das Kichern wird immer lauter — die Schweine immer nervöser. »Die Stangen für das Gatter! — Wo sind die Stangen?« Die Umfriedung hält. Die Geräusche ebben ab, die Schweine beruhigen sich, wir sinken erschöpft zu Boden. »Was ist das?« — »Lass uns das Lager errichten!« — »Nein, es ist zu spät, um jetzt noch die Zelte aufzuschlagen. Lass uns nur ein Feuer machen.« — »Was ist das?« — »Versuch zu schlafen! — Morgen wird ein anstrengender Tag. — Für heute Nacht ist es vorbei.«

An Schlafen ist nicht zu denken. Nebel und Mond zeichnen Gespenster an die Felsen. Die Alten beruhigen die Tiere. Ich lausche — Stille. Die gesamte Nacht sehe ich Wölfe mit Hahnenköpfen und Menschenhänden, die Steine werfen und schreien. »Steh auf! — Pack deine Sachen! — Wir brechen auf und treiben die Schweine weiter die Hügel hinauf. — Komm nach, wenn du fertig bist!« Entsetzt starre ich hinter dem Alten her. Wo bin ich? Ich kann mich nicht rühren, jeder Muskel meines Körpers schmerzt. Was ist in der Nacht geschehen? Langsam erinnere ich mich. Die ersten Sonnenstrahlen durchdringen bereits den Nebel. Es muss schon spät sein. Die Alten haben das Lager geräumt. Ich bin allein.

In der Ferne sind Stimmen zu hören. Ob es das Monster ist? Die Stimmen werden lauter. Sie kommen vom Ufer. Sie hören sich an wie Galiläer. Durch den Nebel hindurch sind Fischerboote zu erkennen. Nichts wie weg hier. Ich ergreife mein Bündel und steige den Hügel hinauf. Der Weg ist gut zu erkennen. Er führt an einem Friedhof vorbei. Einige Grabhöhlen sind offen. Die Herde ist direkt daran vorbei gezogen, das ist gut an den Spuren zu erkennen. Gibt es noch einen anderen Weg? Ehe ich mich entscheiden kann, sehe ich das Monster. Es kommt aus einer Grabhöhle und rennt auf mich zu. Schnell drehe ich mich um. Besser Galiläer als dieses Monster. Ich stürze. Endstation! Auf dem Gegenüber liegenden Hügel sehe ich die Herde mit meiner Familie — unerreichbar! Für mich ist hier Endstation — Endstation Grabhöhle.

Das Monster bleibt stehen, wirft sich auf den Boden, jammert und schreit: »Was willst Du von mir, Jesus, Sohn Gottes des Höchsten? Ich beschwöre Dich bei Gott, mich nicht zu quälen.« Die Galiläer kommen näher. Einer von ihnen, er heißt Jesus, fragt das Monster nach seinem Namen. Er antwortet Legion und dann passiert etwas unbegreifliches: Die Schweine meiner Familie rennen wild, quiekend auf den Abgrund zu, stürzen sich in den See und ertrinken — die Gesichtszüge des Monsters glätten sich, alles Angst einflößende weicht von ihm, er steht auf und ist ein Mensch.

Jesus sagt zu ihm: »Geh nach Hause zu den deinen und berichte ihnen, was der Herr für dich getan hat und wie er Erbarmen mit dir hatte!« Seitdem bin ich unterwegs mit Jesus und wenn die Leute mich fragen: »Wohin gehst du?« — Sage ich: »Immer weiter auf dem Weg — auf dem Weg nach Hause!«