Die Speisung der 5000 – Markus-Evangelium 6,30-44

Sollen wir losgehen und …

Die Frage Jesu: »Wie viele Brote habt ihr?« und seine Aufforderung: »Gebt ihr ihnen doch zu essen!«, lässt mich aufmerken: Wo bin ich gefragt? Was ist jetzt dran?
In vielen alltäglichen Situationen verhalte ich mich wie die Jüngern. Ich merke, etwas stimmt nicht, etwas muss geschehen. Aber was soll ich tun? Soll ich losgehen und …?

Um herauszufinden, was notwendig ist, finde ich die Methode des Dreischritts „Sehen – Urteilen – Handeln» von Joseph Leon Kardinal Cardijn (1882-1967) hilfreich. Cardijn trennt bewusst in einzelne Schritte auf, was in unserem Gehirn in einem Bruchteil von Sekunden geschieht. Ich sehe einen Ball auf mich zufliegen — analysiere die Flugbahn, erkenne, er wird meinen Kopf treffen — ich ducke mich, um dem Ball auszuweichen. Gut, dass unser Gehirn so schnell ist. In komplexeren Situationen führt Schnelligkeit allerdings selten zu passenden Lösungen. Dann wende ich, Cardijns Dreischritt an: Was sehe, höre, rieche, fühle ich? Wie beurteile ich die Lage? Mit welchen Maßstäben analysiere ich sie? Versuche ich, Jesu Perspektive mit einzubeziehen? Was führt mich weiter? Was wird meine Not wenden? Wie würde Jesus in dieser Situation handeln?

Ich bitte Dich Herr, hilf mir, zur rechten Zeit zu schweigen, zu hören, zu sehen. Hilf mir, die Situation in Deinem Sinne zu beurteilen und dann die richtigen Schritte zu wählen. Amen

(https://www.caj.de/multimedia/Textdokumente/statisch/Sehen_urteilen_handeln_-_Einige_Grundlagen.pdf und https://www.jubla.ch/fileadmin/user_upload/jubla.ch/02_Mitglieder/03_Schar_und_Lager/Praesides/Methode_sehen_ureilen_handeln_feiern.pdf)

Die Speisung der 5000 – Markus-Evangelium 6,30-44

Kommt und ruht euch ein wenig aus

Die Junger kehrten müde und erschöpft zu Jesus zurück. Tagelang waren sie unterwegs gewesen. Jesus hatte ihnen verboten etwas auf die Reise mitzunehmen. Sie sollten von dem Leben, was die Menschen ihnen anboten. Dort wo sie aufgenommen wurden, trieben sie Dämonen aus, heilten Kranke und verkündeten das Reich Gottes. Aber nicht überall waren sie willkommen. Sie freuten sich wieder, bei Jesus zu sein, um ihm von ihren Wundertaten zu erzählen. Jesus sah, wie müde sie waren. Er sagte zu ihnen: »Kommt ihr doch allein mit mir an einen abgelegenen Ort und ruht euch ein wenig aus!« Aber die anderen Menschen waren vor Jesus und seinen Jüngern am Ruheplatz angelangt. Jesus hatte Mitleid mit diesen Menschen und lehrte sie lange. Die Jünger fanden wieder keine Ruhe. Nach einiger Zeit forderten sie Jesus auf, die Menschen fortzuschicken, weil es schon spät war und sie meinten, die Menschen hätten nichts zu Essen.

Ich frage mich, welche Motivation die Jünger an trieb, die Menschen wegzuschicken. Waren sie um die Menschen besorgt? Haben sie die Sorge für die Menschen nur vorgeschoben, weil sie ihre Ruhe wollten? Wollten sie Jesus für sich alleine haben, um ihm weiterhin von den Wundertaten zu erzählen, die sie in seinem Namen getan hatten? Waren sie selbst hungrig und wollten in Ruhe essen? Oder sahen sie die Not der Menschen, wussten aber nicht, wie sie sie lösen sollten?

Und Jesus, was tat er? Er ging nicht auf die Motivation der Jünger ein, sondern fordert sie auf, den Menschen zu essen zu geben. Ob er seine Jünger zum Nachdenken anregen wollte, als er zu ihnen sagte: »Gebt ihr ihnen doch zu essen!?« Wollte er ihnen damit sagen: »Denkt in anderen Bahnen! Nehmt einen Perspektivenwechsel vor! Viele Wundertaten habt ihr vollbracht, ihr habt Dämonen ausgetrieben und Kranke geheilt. Ruht euch nicht auf euren Wundertaten aus. Stillt in meinem Namen auch den Hunger dieser Menschen! Ihr könnt es!?«

Die Speisung der 5000 – Markus-Evangelium 6,30-44

Hungrig?

Hungern kann zum Tode führen.
Hunger kann tödlich sein,
körperlich und seelisch.

Sättigung kann träge machen,
jegliche Entwicklung hemmen,
in die Sackgasse führen
und zum Tode.

Hungern kann entdecken lassen,
wo die Nahrung ist,
wo der Weg her führen könnte,
der zur Erfüllung führt.

Bin ich hungrig genug,
die Speise zu suchen,
die das Leben wirklich nährt?
Bin ich erfüllt
von Hoffnung und Vertrauen,
die mich das Hungern aushalten lassen?

Wo ist der Hunger nach dem wahren Brot?

Die Speisung der 5000 — Markus-Evangelium 6,30-44

Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben …

Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben!
Sie saugen sich satt, an dem, was Du sagst!
Der Regen fällt rauschend,
nach langer Dürre
und die Erde trinkt gierig,
für alles was lebt.

Du, Herr, bist Speise und Trank,
Deine Worte,
Dein Leben,
Du selbst,
für mich
und für uns.

Du tränkst meine Seele, mein Herz!
Du bist Trost,
Du bist Halt,
Du bist Wahrheit,
Du bist der Weg zu mir selbst, zu der Welt, zu den Menschen.
Du bist der Weg zum Vater, zum Sinn, in die Zukunft.
Du bist Freude und Labsal,
Du bist mein Trank, Du lebendiger Quell, für mich und die Vielen.

Wir waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten,
wie der Boden, die Erde nach langer Trockenheit
und jetzt saugen die Dürstenden sich satt.

Jesus fragt: Wie viele Brote habt ihr?

Die Jünger sagen zu Jesus: Es ist schon spät! Verabschiede die Leute, damit sie sich etwas zu essen kaufen. Jesus antwortet: Gebt ihr ihnen doch zu essen. Sie sagen: Sollen wir losgehen und Brot kaufen und ihnen zu essen geben? Jesus fragt: Wie viele Brote habt ihr?

Die Speisung der 5000 — Markus-Evangelium 6,30-44

Jesus fragt auch Dich: Wie viele Brote hast Du?

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